Die Kamera im Smart Home – über China und USA nach Europa

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gzi
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Die Kamera im Smart Home – über China und USA nach Europa

Beitrag von gzi » 27.05.2018, 13:54

Hallo Leute, ich möchte eine kleine Geschichte zum Besten geben!

Fast vergessen: die Elektronik (Elektronenröhre) hat ein Engländer erfunden, ein Deutscher das Fernsehen und der erste voll transistorisierte Computer stand in Wien. Die ganze Elektronik basiert auf Erfindungen aus Europa. Wer aber heute eine IP Überwachungskamera (oder andere Elektronik-Gadgets) sucht, landet sofort in China.

Full HD mit eingebautem WLAN und kostenloser App um 39 Euro, was sag ich , schon um 15,89 ! Plus lächerliche 49 cent Versand.

Hey Leute da ist ein ganzer Webserver drin, ein Raspi, das Board allein, kostet 35 Euro. Da gibt’s Dutzende Angebote wie im Schlaraffenland. Da muss man doch zuschlagen!

So dachte ich.

ABER Was kann das Teil eigentlich genau? Artikelbeschreibung? Fehlanzeige.

Na ja legen wir halt ein paar Euros drauf. Die kann sogar Pan und Tilt.

ABER kann ich von einem Skript Bilder auslesen? Hersteller-Homepage? Fehlanzeige!

Also noch was drauflegen. Bei der gibts das Handbuch zum Download.

ABER: Acht Screenshots von der App. Das ist alles?

Die nächste, wieder ein paar Euros mehr: echtes Handbuch.

ABER kein Wort zu Interfaces und zum Thema Sicherheit!

Die nächste: sogar UHD Auflösung!

ABER: Infos zu Schnittstellen, ob man die Kamera überhaupt ohne Cloud betreiben kann: Fehlanzeige! Ein User-Forum, zumindest ein FAQ? Fehlanzeige!

Leute wenn wir uns so eine Kamera ins WLAN hängen, dann installieren wir uns einen Webserver, einen ausgewachsenen Computer, ein Ding, das man früher mit einem ganzen Regal voller Manuals und nur mit Wartungsvertrag bekommen hätte!

Jedenfalls ein Ding, das unser WLAN Passwort kennt, potentiell den gesamten unverschlüsselten Traffic im LAN (z.B. alle Mails) mitlesen kann und möglicherweise Bilder oder auch Gespräche aus meiner Wohnung nach Shanghai schickt. Oder nach Burma. Oder zur NSA. Das will ich zumindest wissen.

Also lesen wir mal Testberichte.

Was erfahren wir da: Farbe (gaaanz wichtig), Größe (naja), Gewicht (wen kratzt das, sobald sie angeschraubt ist?), Auflösung (OK), Sichtweite (was, bitte soll das sein?), Speicher (OK), Nachtsicht (was bedeutet: Ja?), App-Steuerung(haben alle, ist kein Kriterium), Bewegungsalarm (haben auch alle, funktioniert aber in der Praxis kaum brauchbar) usw.

ABER: Kein Wort über Sicherheit, kein Wort über den Zwang die Kamera unverschlüsselt mit irgendeinem Server in der Cloud zu verbinden.

Und wer gewinnt solche Tests? Die Amerikaner! Weil die haben so einfache Installationsanleitungen, wie man sich das Ding ins Nest holt. Alles ist toll integriert. Funktioniert auf einen Click. Nur ist nirgends dokumentiert wie es funktioniert. Interessiert ja keinen. Einfach Facebook Passwort eingeben und mit dem Amazon Account verbinden... Kuckuckseier von der NSA? Aber wer denkt denn an so etwas!

ABER nicht mein Ding.

Ja so ist er, dieser verrückte Markt. Immer wieder habe ich stundenlang im Internet gesucht, weil ich mir dachte: es muss doch eine günstige Kamera geben, die man beruhugt einsetzen kann. Fehlanzeige. Wer nach einer günstigen Kamera sucht, die man einfach in die Hausautomation einbinden kann und kein Sicherheitsrisiko mitbringt, wird das schnell feststellen.

Genug lamentiert.

Es geht hier um Tipps und Tricks bzw. um die Erkenntnis, dass eine IP Kamera in Wahrheit eben ein komplexes Produkt ist, bei dem sich Schnäppchen nicht lohnen.

Am Ende meiner Suche bin ich auf diesen Clip: https://www.youtube.com/watch?v=LUGQhfjHiHA gestossen . Da steht ein Mann, der nicht chinesisch spricht, vor einem Flipchart, stellt sich als Geschäftsführer einer Firma aus Deutschland vor, die Kameras produziert.
Und was er sagt, klingt logisch: Eine gute Kamera, für die es ordentliche Doku, Firmware-Updates, ein betreutes Forum, eine gepflegte FAQ, eine Telefonnummer ohne Extrakosten und eine Support-Emailadresse gibt, die auch antwortet (echt und nicht maschinell generiertes blabla), kann es nicht um 16 Euro geben.

Also habe ich mir nach 5 China Produkten (von denen zwei vorzeitig den Geist aufgaben), eine INSTAR Kamera aus Deutschland gekauft.

Die kostet zwar 60 Euro mehr als die China Kamera, die sie nun ersetzt. Aber ich wollte nicht wieder tagelang tüfteln bis ich sie zum Laufen bringe. Das macht einfach keinen Spass mehr. Die Mehrkosten haben sich gelohnt. In null komma nix hatte ich sie in mein System software-mäßig eingebunden, und sie macht nebenbei gesagt mit 720p auch wesentlich bessere Bilder als das 1080p China-Teil je konnte. Vor allem in der Nacht sind die Bilder jetzt viel besser.

Ich will nicht ausschließen, dass es auch andere Kameras gibt, die gleich viel können, die den Besitzer auch nicht ausspionieren und wo der Hersteller den gleichen Support bietet. Aber Angaben zu Sicherheit, Service und Support halten deren Hersteller derart geheim, dass ich sie nicht gefunden habe…
Zuletzt geändert von Roland M. am 28.05.2018, 10:16, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Thema verschoben
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Sven_A
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Re: Die Kamera im Smart Home – über China und USA nach Europ

Beitrag von Sven_A » 28.05.2018, 07:57

Danke, du sprichst mir aus der Seele.

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